Die SPS-Tagung fand online statt und fokussierte die Produktentwicklung mit 3D-Druck.
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Die SPS-Tagung fand online statt und fokussierte die Produktentwicklung mit 3D-Druck.

SPS-Tagung: Produktentwicklung mit 3D-Druck und Co.

15.12.2020 | Forschung
Die SPS-Tagung der FH Kufstein Tirol fand auch diesjährig im Rahmen des Masterstudiengangs Smart Products & Solutions (SPS) statt. Die Online-Variante war dank der versierten ReferentInnen ein voller Erfolg.

Am 13. November 2020 stellten neun ReferentInnen aus Anwendung und Forschung ihre neuesten Entwicklungen mit Bezug zur „Drahtbasierten Additiven Fertigung“ und angrenzende Gebiete vor. 75 Interessierte aus Wirtschaft und Wissenschaft, nicht nur aus der Region, nahmen das Angebot wahr und sahen sich die vielseitigen Vorträge an.

Nach einem Keynote-Vortrag von Herrn Braun von der Universität Innsbruck, in dem ein Überblick über die verschiedenen Verfahren der additiven Fertigung gegeben wurde, teilte sich die Veranstaltung in zwei parallele Sessions.

Zwei Sessions rund um den 3D-Druck

Unter dem Oberthema: „Produktentwicklung mit 3D-Druck und Co.“ wurden werkstoffbezogen die beiden Sessions mit den Themen „Additive Fertigung von Metallbauteilen“ und „Bauteilherstellung von Kunststoffbauteilen mit additiven Verfahren“ angeboten. Dabei wurden sowohl neue Werkstoffe sowie Technologien als auch Anwendungen aus der Praxis aufgegriffen.

In der kunststoffbezogenen Session referierte zunächst Herr Milling von IGO3D aus Hannover über die optimale Materialauswahl für den FDM-Druck. Dieser gab einen sehr umfassenden Überblick über die bestehende Materialvielfalt sowie ausgewählte Anwendungsfälle. Das Anwendungsspektrum reichte dabei von einfachen PLA-Prototypen bis hin zu metallischen Funktionsbauteilen, die zunächst mittels FDM gedruckt und dann in einem mehrstufigen Postprozess zu monolithischen metallischen Körpern weiterbehandelt wurden. Herr Falch von der Firma Micado präsentierte darauf eine neuartige Fertigungstechnologie zur endkonturnahen Herstellung von Kunststoffkörpern mittels eines flexiblen Formwerkzeuges. Die Technologie bietet dabei die Möglichkeit schneller als konkurrierende additive Verfahren sehr große Kunststoffbauteile bspw. für Formen und Werkzeuge herzustellen. Die Session wurde dann durch einen Vortrag von Herrn Streitz von der Firma Extrudr aus Voralberg abgeschlossen. In dem er das Thema Nachhaltigkeit beim FDM-Druck und die damit verbundenen Randbedingungen darstellte. Ein Thema, dass ein sehr hohes Zukunftspotenzial bietet und laut Extrudr erst am Anfang seiner Entwicklung steht.

Verschiedene Werkstoffe

Im Rahmen des Themas Additive Herstellung von Metallbauteilen stellte Herr Pittl von 3D-Druckwerk zusammen mit Herrn Saurer von der Firma Sauer GmbH aus Pfronten einige Verfahren des DED- Directed Energy Depositions und die damit verbundenen Anwendungen vor. Herr Dr. Treutler, TU Clausthal, zeigte in seinem Vortrag die Möglichkeiten zur Realisierung des Multimaterial-Designs mit WAAM – Wire and Arc Additive Manufacturing auf. Hierbei können verschiedene Werkstoffe unterschiedlicher Eigenschaften zu einem Bauteil kombiniert werden. Auf Basis des gleichen Verfahrens wurde von Herrn Vollmann-Schipper von der Firma AEP3D aus Burgdorf ein neuartiges Kombinationsverfahren zur Herstellung von metallischen Bauteilen vorgestellt, bei dem in einer Aufspannung gedruckt, mechanisch behandelt und gefräst wird. Hiermit gelingt eine Verknüpfung des hochproduktiven WAAM-Verfahrens mit in den Ablauf integrierten Prozessschritten zur Erzeugung von definierten Werkstoffeigenschaften und eng tolerierten Geometrien.

Ausblick in den 3D-Druck-Bedarf

Nach den parallelen Sessions beleuchtete Herr Redlin von der Firma S&R-Tech die Trends und Marktentwicklungen sowie Bedarfe. Es wurde deutlich, dass das Potenzial der Umsetzung additiver Technologien ganz wesentlich vom Wissen und den Fähigkeiten der Entwickler und Konstrukteure abhängt, die entsprechend 3D-Druck gerecht konstruieren müssen. Hier besteht noch erheblicher Bedarf, welches ein zentrales Thema in den technischen Studiengängen der FH Kufstein Tirol ist.

Die SPS-Tagung moderierten zwei Hochschullehrer der FH Kufstein Tirol: Dr. Christian Schmid, Hochschullehrer für Produktentwicklung und Dipl.-Ing. Thomas Schmiedinger, Hochschullehrer für Maschinenbau und stellvertretender Studiengangsleiter SPS. Unterstützt wurde die Veranstaltung von zwei neuen Kooperationspartnern der Kufsteiner Fachhochschule, der Firma IGO3D im Bereich der additiven Technologien für Kunststoffe sowie der Firma AEP3D im Bereich der Herstellung metallischer Bauteile mit einer innovativen Verfahrenskombination zur Verbesserung der Gebrauchseigenschaften additiv hergestellter Bauteile. Beide Firmen unterstützen die Fachhochschule mit neuester Anlagentechnik für den neuen Lehr- und Forschungsschwerpunkt „Drahtbasierte Additive Fertigung“.

Durch den Aufbau des Schwerpunktes „Drahtbasierte additive Fertigung“ wird dieses Thema weiterhin zunehmende Bedeutung haben. Die FH Kufstein Tirol plant daher weitere Aktivitäten rund um FDM und WAAM, im Rahmen von Lehrveranstaltungen, Praxisprojekten, Bachelor- und Masterarbeiten sowie Drittmittel geförderten Projekten.